Epigenetik

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Die Epigenetik (wörtlich in etwa „Übergenetik“) ist ein noch recht junges aber äußerst interessantes Forschungsgebiet. Lange Zeit glaubte man, dass Gene für die meisten Krankheiten verantwortlich seien, wie z.B. Krebs oder Diabetes. Hat man also eine hohe Veranlagung zu Brustkrebs, gab es nahezu keine Hoffnung dieser Krankheit zu entrinnen - „das ist genetisch bedingt, da kann man nichts machen“. Eine sehr bekannte US-Schauspielerin lies sich beide Brüste entfernen, um dem Brustkrebs zu entgehen und präventiv zu handeln.

Heute hat man erkannt, dass dies ein Irrtum ist. Es ist vielmehr die Umwelt, die dazu führt, dass Gene „angeschaltet“ (genauer exprimiert) werden. Die genauen biochemischen Details wie exakt das funktioniert sind in der Regel für den Laien unwichtig. Vereinfacht gesagt, kann man sagen, dass bestimmte Gene „verdeckt“ und somit nicht gelesen werden. Sie können also z.B. durchaus eine Veranlagung zu Brustkrebs haben - ob diese dann aber zum Tragen kommt hängt davon ab, ob das betroffene Gen „verdeckt“ ist (und nicht gelesen werden kann) oder eben nicht. Und Sie werden es sicherlich erraten: ob das so ist entscheidet die Umwelt.

Fallstudien

Es sind nur knapp 5% aller Krankheiten alleine auf genetische Störungen zurückzuführen (z.B. Huntington Chorea). Das bedeutet, dass etwa 95% mit den jeweiligen Lebensstil, chronischem Stress und Umweltgiften zu tun haben.

So lässt sich auch erklären, warum von zwei Fabrikarbeitern, die tagtäglich denselben toxischen Außenbedingungen ausgesetzt sind, einer krank wird und der andere nicht. Oder auch dass bei eineiigen Zwillingen (die ja beide die exakt gleiche genetische Veranlagung zu eine bestimmten Krankheit haben), der eine krank wird und der andere nicht.

Innere und äußere Umwelt

Die Umwelt lässt sich unterteilen in eine innere und eine äußere Umwelt. Bei der äußeren Umwelt handelt es sich primär um Dinge, die Sie nicht oder nur schwer ändern können - z.B. toxische Belastung am Arbeitsplatz.

Bei der inneren Umwelt sieht es dagegen ganz anders aus - dazu zählen insbesondere der aktuelle Lebensstil, Gedanken und Gefühle. Die Art wie Sie leben und vor allem was Sie tagtäglich denken und fühlen, haben einen absolut entscheidenden Einfluss auf Ihre Gene und Gesundheit.

Hierzu ein kleines Gedankenexperiment: nehmen wir zwei Menschen mit den exakt gleichen Rahmenbedingungen (gleiche Arbeitsstelle mit denselben toxischen Belastungen, gleiches Einkommen, gleicher Wohnort, etc.). Nun freut sich der eine jeden Tag auf seine Arbeit und hat Spaß daran, er freut sich auf seine Familie wenn er nach Hause kommt und ist glücklich mit seinem Leben. Der andere (der ja exakt die gleichen Voraussetzungen hat) quält sich jeden Tag aus dem Bett, hat überhaupt keine Freude an seiner Arbeit und in den Pausen beklagt er sich bei Kollegen wie schlecht es Ihm doch geht. Wenn er abends nach Hause kommt hat er keine Lust sich mit seiner Familie zu beschäftigen und ist schon in Gedanken beim nächsten Tag in der Arbeit, die er so gar nicht mag.

Wer von den beiden ist wohl gesünder?

Wie Sie an diesem Gedankenexperiment sehen können, macht hier den Unterschied nicht die äußere Umwelt (die hier exakt gleich ist), sondern alleine die innere Einstellung.

Ein echtes Experiment, dass dem obigen in gewisser Weise ähnlich ist wurde in Japan durchgeführt. Dort wurde untersucht, wie sich der mentale Zustand auf Krankheiten auswirken kann. Die Teilnehmer der Studie wurden in zwei Gruppen unterteilt. Alle hatten Typ 2 Diabetes und waren von Insulin abhängig. Zuerst wurde der Blutzuckerwert von allen Teilnehmern im nüchternen Zustand gemessen, um einen Grundwert zu erhalten. Danach schaute sich die eine Gruppe eine einstündige Comedy-Show an und die Kontrollgruppe dagegen einen langweiligen Vortrag. Nun nahmen alle gemeinsam eine leckere Mahlzeit zu sich und die Blutzuckerwerte wurden erneut gemessen. Es ergab sich ein signifikanter Unterschied. Bei der Vortragsgruppe war der Wert fast doppelt so hoch wie bei der Comedy-Gruppe, die die ganze Zeit gelacht hatte. Bei einer Gen-Sequenzierung stellte sich heraus, dass die Comedy-Gruppe insgesamt 23 unterschiedliche Gene verändert hatte - nur durch Lachen. Dadurch war es Ihnen möglich den Blutzucker auf natürliche Weise, ohne Insulingabe, zu regulieren.

Vererbung von Erfahrungen

Weiterhin entdeckten Forscher, dass es offensichtlich möglich ist Erfahrungen zu vererben - zumindest bei Mäusen. Sie setzten an der Emory University School of Medicine in Atlanta Mäuse einem Kirschblüten-Duft aus und verabreichten Ihnen dann kleine Elektroschocks. So lernten die Mäuse den Duft fürchten und reagierten darauf in Zukunft mit Angst. Interessanterweise reagierten deren Nachkommen auch auf den Duft mit ängstlichem Verhalten, obwohl diese nie Elektroschocks bekommen hatten. Dies bestätigte die Annahme der Forscher, dass die Erfahrungen tatsächlich auch auf biologischem Weg vererbt werden können.

Mehr dazu hier bei Spiegel Online: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/epigenetik-maeuse-vererben-schlechte-erinnerungen-a-936692.html

Litertur

Hier finde ich das Buch von Bruce Lipton empfehlenswert. Er erklärt seinen Weg der Erforschung des Lebens an Hand einzelner Zellen und darüber hinaus meiner Meinung nach sehr gut.

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Persönliches Fazit

Die Epigenetik zeigt uns, dass wir nicht wie bisher angenommen, unseren genetischen Erbe hilflos ausgeliefert sind. Ganz im Gegenteil - wir tragen ein erhebliches Maß an Selbstverantwortung wenn es um unsere (genetische) Gesundheit geht. Es ist uns nicht länger möglich, die Schuld auf andere Menschen oder die Umwelt zu schieben - wir selbst leisten mit unserer eigenen, inneren Umwelt und vor allem der Art wie wir Sie wahrnehmen und darüber kommunizieren den meiner Meinung nach entscheidenden Teil.

Ein sehr spannendes Thema ist auch die Vererbbarkeit von Erfahrungen. In dem Buch von Bruce Lipton gibt es ein Kapitel, dessen Titel ich in diesem Kontext extrem interessant finde: Bewusste Elternschaft - Eltern als Gentechniker

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